Albanien II, ein authentischer Reisebericht

Das FaFa Sun Hotel

Wenn man hier im Hotel ankommt, hat man tatsächlich einen AHA Effekt. Das Hotel wurde 2023 renoviert. Es ist sehr hell und freundlich mit großen geräumigen Zimmern und Balkonen. Die Zimmer sind sauber und werden täglich gereinigt. Legt man etwas Trinkgeld aufs Bett, bekommt man auch saubere Gläser. Allerdings gibt es keinen Schrank im Zimmer, so dass man gezwungen ist aus dem Koffer zu leben. Da ich sowieso das Chaos auf zwei Beinen bin, ist das tatsächlich etwas schwierig für mich. 

Das Personal ist freundlich, aber hier fehlt oft die Eigeninitiative. Wahrscheinlich ist es dem geschuldet, dass jeder seine Aufgaben hat. Es gibt jemanden der die Teller abräumt, jemand der die Schüsseln abräumt und jemand der die Gläser abräumt. Die leeren Papp- und Plastikbecher werden nicht abgeräumt. Hier gibt es also noch eine Stelle zu besetzen. 

In meinem Recherchen über Albanien hatte ich gelesen, dass hier traditionell mit viel Fleisch gekocht wird, vor allem Gerichte mit Lamm soll es geben. Diese Information ist eindeutig veraltet, denn unsere Erfahrungen mit dem Essen in Albanien sind ganz anders. Im Hotel gibt es jeden Tag das selbe Essen. Nichts davon ist warm, und nichts davon schmeckt. Am erträglichsten ist das Frühstück. Bis auf porchierte Eier gibt es Eier in allen Variationen. Nun will man aber nicht jeden Tag Eier essen. Für diejenigen, die es gerne süß zum Frühstück mögen ist alles dabei, nur die Wurst und Käseliebhaber gehen leer aus. Es gibt genau eine Sorte Wurst und eine Sorte Käse. 

Zum Mittag und zum Abendessen gibt es Pommes, Gulasch, Hühnerkückenbeine, manchmal Fisch, Nudeln gibt es auch immer. Aber es ist immer alles kalt und es schmeckt einfach nicht. Fleisch und Fisch werden so lange gebraten bis es schwarz und somit auch wirklich tot ist. Gelegentlich gibt es Rippe vom Lamm. Diese besteht hauptsächlich aus Knochen und ein paar wenigen Fleischfasern. Da fragt man sich wo der Rest vom Lamm geblieben ist. Salat gibt es auch. Die Tomaten sind so geschnitten als ob da jemand mit dem Hackebeil durchgegangen ist.

Es geht auch anders:


Auch auf unseren Ausflügen konnte uns die Albanische Küche, bis auf ein einziges Mal, nicht überzeugen. Man bekommt entweder Essen mit minderwertigen Zutaten, oder man bekommt schlichtweg gar nichts. Mc Donnalds oder Burger King könnten sich hier an mitteleuropäischen Touristen eine goldene Nase verdienen. Nach zweieinhalb Wochen haben wir dann angefangen zumindest das Abendessen im Hotel zu verweigern. Tatsächlich gibt es ein paar hundert Meter weiter ein Restaurant mit einer, sagen wir mal, guten Küche. Nachdem wir zwei Abende dort gegessen hatten, wollten wir ein noch ein anderes Restaurant ausprobieren. Auch hier wieder ein Griff ins Klo. Ich habe mir eine Italienische Antipasti bestellt. Bekommen habe ich einen Teller voller Salami und Schinken, dessen Ränder sich schon nach oben wölbten. Brot gab es erst auf Nachfrage. Wie ißt man denn bitte Wurst ohne Brot? Die Antwort darauf: „Das ißt man so und dazu gibt es Alkohol. Und wenn es Ihnen und Ihrer Frau nicht schmeckt, dann ist das nicht schlimm, es kommen auch so genug Leute.“ Auch der bestellte Grillteller erwies sich als Reinfall. Die Fleischscheiben waren 5mm dünn geschnitten und entsprechend trocken gegrillt. Soßen oder Dipps gab es nicht, und auch sonst keine Beilagen. Mal sehen, vielleicht eröffnen wir hier eine Imbisskette. 

Der Verkehr, das Land und die Leute

Wären wir mit dem Auto nach Albanien gekommen, hätten wir sicherlich einige Momente gebraucht um mit dem Verkehr klarzukommen. Als Berliner sollte es aber kein Problem sein sich hier zurechtzufinden. Schließlich fährt in Berlin die halbe Welt durch die Gegend. Es kann vorkommen, dass man hier in der mittleren Spur plötzlich stehen bleibt und sein Fahrzeug verlässt. In und um Tirana ist der Verkehr jedenfalls sehr lebhaft und es geht auch nur sehr langsam voran. Aufgrund der schlechten Zustände der Straßen kann es passieren, das man für eine Strecke von 39 km gerne mal 1,5 Stunden benötigt. Fährt man in die andere Richtung, werden die Straßen besser und die Landschaft schöner. 

Zwischen Tirana und Golem stehen unzählige Bauruinen in der Landschaft. Der Grund hierfür ist, dass oftmals mit illegalem Geld gebaut wird. Geht das Geld aus, geht der Bau nicht weiter. In anderen Fällen wird einfach illegal gebaut. Hier kann es passieren, dass die illegalen Gebäude einfach gesprengt werden, auch wenn der Bau schon fertig ist. Eine sehr umstrittene Sprengung fand 2022 am Prestige Resort in Golem statt. Hier hat sich aber der Inhaber, welcher gleichzeitig ein Medieninhaber ist, mit dem damaligen Präsidenten angelegt. Ohne Vorankündigung wurden im September 2022 einige Pools zurück gebaut, und im Dezember 2022 wurde von jetzt auf gleich das Hotel gesprengt. Wir sind einige Male an dem Areal vorbei gelaufen und haben uns gedacht das dort irgendwas fehlt. Nach meiner Recherche war es dann klar.

Und dann gibt es noch die kleinen Privatbauten. Hier baut man so wie gerade das Geld da ist. Ist das Erdgeschoss fertig gestellt, zieht man schon mal ein und baut weiter wenn wieder Geld da ist. 

Gegen die illegalen Bauten hat die Regierung übrigens ein Gesetz erlassen: die Bauwerke werden einfach legalisiert. Na das kommt einen doch sehr albanisch vor. 

Die albanische Küste war zu Zeiten des Kommunismus weitestgehend militärisches Sperrgebiet. Das muss man sich mal vorstellen! Die Albaner haben so ein wunderbares Meer und dürfen nicht an ihren eigenen Strand. Inzwischen sieht es hier ganz anders aus. An 16 km Strand zwischen Durres und Golem stehen Hotel an Hotel in teilweise 3 Reihen hintereinander. Speziell Golem ist ein Viertel in dem es eigentlich nur Hotels gibt. Zahlreiche Hotelanlagen befinden sich derzeit noch im Bau. Ob es sich rechnen wird, wird man sehen. Bleiben der Service und das Essen weiterhin so schlecht, kann ich mir kaum vorstellen, dass man noch ein zweites Mal nach Golem kommt. Im Moment kommen wohl hauptsächlich osteuropäische Gäste. Und genau darauf haben sich bestimmte Hotels eingerichtet. Wir haben aber auch schon einige Franzosen getroffen. Und wenn man mit den wenigen deutschen Touristen spricht, sind die sich in einer Sache alle einig: die Albaner können einfach nicht kochen 

Über das Müllproblem hatte ich schon berichtet. Ein anderes Problem sind die vielen herrenlosen Hunde und Katzen. In kommunistischen Zeiten war es verboten Haustiere zu halten. Hunde und Katzen hatten hier einen Job. Konnten sie diesen aus Gründen nicht mehr ausüben, wurden sie auf der Straße ausgesetzt. Das betraf auch Welpen. Wurden diese nicht gebraucht, mussten sie vor die Tür. Inzwischen kümmern sich private Tierschutzorganisationen zumindest um die Kastration dieser Tiere, denn Tierheime gibt es nur wenige. Und ähnlich wie bei uns, gibt es auch hier kein Geld für Tierheime. Die obdachlosen Vierbeiner in Golem sind allerdings sehr freundlich und zurückhaltend. Während der Touristensaison werden sie bestimmt gut versorgt, denn gut genährt sehen hier alle aus. 

Landschaftlich hat Albanien einiges zu bieten, und wir haben bei weitem nicht alles gesehen, so dass wir das meiste nur erahnen können. Je weiter man in das Land fährt, desto schöner wird es. Sanfte Hügel, bepflanzt mit Olivenbäumen, kündigen das Gebirge an. Albanien hat neben dem Meer und seinem Strand, einige wunderschöne Bergseen, hohe Berge und tiefe Täler. Über den Bovilla See hatte ich schon berichtet, wobei das ja ein Stausee ist. Unseren geplanten Ausflug zur Holta Schlucht mussten wir leider absagen, denn zu allem Überfluss hat uns noch eine Erkältung heimgesucht. Da wir noch ein paar Wochen Urlaub vor uns haben, schien es uns nicht ratsam mit einer Erkältung durch eiskaltes Wasser zu waten oder gar zu schwimmen. Dafür waren wir in der Lagune von Karavasta. Von den vielen Tierarten, die hier leben sollen, haben wir leider nicht viel gesehen. Trotzdem war es ein schöner Ausflug.

Berat

Die Stadt der tausend Fenster ist UNESCO Weltkulturerbe und ist wirklich hübsch anzuschauen. 

Bereits 1961 wurde Berat offiziell zur Museumsstadt ernannt und wurde 2008 Weltkulturerbe. Durch ihren Status als Museumsstadt unterliegt sie einem besonderen Schutz. So dürfen in drei Stadtteilen keine Neubauten errichtet werden. Leider hatten wir auch hier zu wenig Zeit um alles mal genauer zu erkunden. Man hätte das gut zu Fuß treppauf, treppab machen können. Wegen der drei kompakten Altstadtquartiere und der vielen Moscheen und Kirchen gilt Berat als wichtigste Sehenswürdigkeit des Landes. (Quelle ist Wikipedia, mein Englisch ist nicht so gut. Ich habe den Guide fast nicht verstanden) In den alten Gebäuden sind heute hauptsächlich Hotels, Ferienwohnungen, Geschäfte und Restaurants.

Fazit

Während meiner Reiseplanung hatte ich auch über Albanien einige Reiseführer und Reiseblogs gelesen. Es ist als ob man einen guten Roman gelesen hat und nun in der schlechten Verfilmung gelandet ist.

Hier ist gar nichts Gold was glänzt, die Albaner schaffen es dennoch es als Gold zu verkaufen.

Wir verlassen das wilde Albanien aber nicht ohne dem Land alles Gute für die Zukunft zu wünschen. Potential ist definitiv vorhanden, und wenn sich die Grundeinstellung und der Service ändern würden, dann könnte das auf jeden Fall mal was werden.

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